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Verfahren & RechtFachredaktion Settelmayer und Kollegen2 Min. Lesezeit

Strafanzeige oder Zivilklage? Die Reihenfolge entscheidet

Beide Wege verfolgen unterschiedliche Ziele und können sich ergänzen. Falsch abgestimmt behindern sie sich – meist zulasten der Vermögenssicherung.

Nach einem Vermögensschaden liegt der Impuls nahe, beides gleichzeitig zu tun: anzeigen und klagen. In der Praxis ist die Reihenfolge jedoch eine strategische Entscheidung, weil beide Wege unterschiedliche Ziele haben und sich unterschiedlich auf die Gegenseite auswirken.

Zwei Verfahren, zwei Ziele

Das Strafverfahren dient der Verfolgung von Straftaten. Es kann Ermittlungsbefugnisse eröffnen, über die Privatpersonen und Unternehmen nicht verfügen – etwa Auskünfte von Banken oder Zugriffe auf Daten – und in geeigneten Fällen zur Sicherstellung von Vermögen führen. Ihren Zahlungsanspruch setzt es jedoch nicht durch; das Adhäsionsverfahren ist die Ausnahme, nicht der Regelfall.

Das Zivilverfahren zielt auf Ausgleich: Rückzahlung, Schadensersatz, Unterlassung. Die Beweislast liegt grundsätzlich bei Ihnen, was den Zusammenhang zum ersten Weg herstellt – über Akteneinsicht als Verletzter können Erkenntnisse zugänglich werden, die sich privat nicht beschaffen lassen.

Warum die Reihenfolge wirkt

Ein Anspruchsschreiben signalisiert der Gegenseite, dass der Vorgang aufgefallen ist. Ist Vermögen noch greifbar und nicht gesichert, kann das dazu führen, dass es verlagert wird. Umgekehrt kann das Warten auf ein Ermittlungsergebnis zivilrechtliche Fristen berühren. Beides lässt sich nicht schematisch lösen, sondern nur anhand des Sachverhalts – insbesondere danach, ob und wo Vermögen vorhanden ist.

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