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Nachbereitung dokumentierter Betrugskonstellationen

Betrugsbeispiele

Betrugsbeispiele – typische Szenarien verstehen.

Muster lassen sich leichter erkennen, wenn man sie einmal im Ablauf gesehen hat. Die folgenden Szenarien sind zu diesem Zweck nachgebildet: Sie zeigen, wie ein Vorgang beginnt, an welcher Stelle er auffällig wird und was Betroffenen anschließend offensteht.

Alle Szenarien sind frei erfunden und dienen ausschließlich der Veranschaulichung. Sie beschreiben keine Mandate, keine realen Personen und keine Verfahrensausgänge. Angaben zum möglichen Schaden sind illustrative Größenordnungen.

  • Szenarien

    fünf nachgebildete Abläufe

  • Aufbau

    Situation, Signale, Schaden, Schritte

  • Charakter

    erklärend, nicht werblich

  • Grundlage

    typische Muster aus der Praxis

Szenario 01Investment ScamPrivatpersonenFrei erfundenes Szenario

Die Anlageplattform, die nicht auszahlt

Ausgangssituation

Eine Privatperson wird über ein soziales Netzwerk angesprochen. Der Kontakt ist unaufdringlich, fachlich und über Wochen konstant. Nach einer Einführung in eine Handelsplattform folgt ein Ersteinsatz von 500 Euro.

Das Dashboard zeigt Gewinne. Auf Empfehlung der Betreuung wird nachgelegt, zunächst 3.000, später 12.000 Euro. Die Zahlungen gehen auf ein Konto, dessen Inhaber nicht mit dem Namen der Plattform übereinstimmt – begründet mit einem Zahlungsdienstleister.

Nach vier Monaten soll ein Teilbetrag ausgezahlt werden. Die Plattform verlangt vorab eine Quellensteuer von 15 Prozent des angezeigten Gewinns.

Möglicher Schaden

15.000 – 20.000 €

Neben den eingezahlten Beträgen entstehen häufig weitere Verluste durch Nachforderungen, die zur „Freischaltung“ geleistet werden. Der angezeigte Gewinn hat keinen Gegenwert.

Illustrative Größenordnung, kein Verfahrensergebnis.

Warnsignale

  • Einzahlungen auf ein Konto mit abweichendem Kontoinhaber
  • Betreuung ausschließlich über privaten Messenger
  • Auszahlung wird von einer Vorabzahlung abhängig gemacht
  • Aufsichtsangaben lassen sich über die Behörde selbst nicht bestätigen
  • Der angezeigte Gewinn steigt gleichmäßig und ohne Rückschläge

Was Betroffene jetzt tun können

  1. 1Keine weiteren Zahlungen leisten – insbesondere keine Steuern oder Gebühren an die Plattform
  2. 2Bank und Zahlungsdienstleister unverzüglich um Rückruf der Zahlungen bitten
  3. 3Chatverläufe, Profile, Transaktions-IDs und Kontodaten vollständig sichern
  4. 4Prüfen lassen, ob Rückholverfahren noch fristgerecht möglich sind
  5. 5Strafanzeige vorbereiten; häufig liegen Anzeigen weiterer Betroffener vor
Szenario 02Fake InvoiceUnternehmenFrei erfundenes Szenario

Die Rechnung mit der neuen Bankverbindung

Ausgangssituation

Ein mittelständisches Unternehmen erhält von einem langjährigen Lieferanten eine Rechnung über 48.000 Euro. Layout, Bestellnummer und Leistungsbeschreibung stimmen; die Nachricht kommt aus dem laufenden E-Mail-Verlauf.

Im Rechnungsfuß ist eine neue IBAN angegeben, erläutert mit einer Umstellung auf eine andere Hausbank. Die Buchhaltung prüft Betrag und Leistung, findet keine Auffälligkeit und zahlt innerhalb des Zahlungsziels.

Fünf Wochen später mahnt der echte Lieferant die offene Rechnung an.

Möglicher Schaden

40.000 – 60.000 €

Die Zahlung an einen Dritten erfüllt die Forderung des Lieferanten regelmäßig nicht. Der Betrag ist damit häufig doppelt zu leisten, solange keine Rückführung gelingt.

Illustrative Größenordnung, kein Verfahrensergebnis.

Warnsignale

  • Änderung der Bankverbindung ohne unabhängige Bestätigung
  • Absenderadresse weicht um ein Zeichen ab oder das Antwortfeld ist manipuliert
  • Begründung der Umstellung wird nur in der Nachricht selbst gegeben
  • Zahlungsziel ist kürzer angesetzt als in früheren Rechnungen

Was Betroffene jetzt tun können

  1. 1Rückruf der Zahlung bei der eigenen Bank beauftragen und Empfängerbank informieren
  2. 2Alle Zahlungen an geänderte Bankverbindungen der vergangenen Monate prüfen
  3. 3E-Mails im Original samt Kopfzeilen exportieren und Postfachzugriffe prüfen
  4. 4Versicherungsdeckung prüfen und Deckungsanfrage stellen
  5. 5Freigabeprozess für IBAN-Änderungen verbindlich und ohne Ausnahme regeln
Szenario 03CEO FraudUnternehmenFrei erfundenes Szenario

Die dringende Weisung vor dem Wochenende

Ausgangssituation

An einem Freitag um 16:20 Uhr erhält eine Mitarbeiterin der Buchhaltung eine E-Mail, die von der Geschäftsführung zu stammen scheint. Es gehe um eine vertrauliche Beteiligung, die noch am selben Tag anzuzahlen sei.

Die Nachricht bittet ausdrücklich darum, wegen der Vertraulichkeit nicht im Team darüber zu sprechen, und nennt eine Rufnummer für Rückfragen. Die Geschäftsführung ist auf Reisen und im Kalender als nicht erreichbar hinterlegt.

Es werden 96.000 Euro auf ein Konto im Ausland überwiesen. Am Montag stellt sich heraus, dass keine Weisung vorlag.

Möglicher Schaden

50.000 – 250.000 €

Die Spannweite ist groß, weil sich der Betrag an der Freigabekompetenz der angesprochenen Person orientiert. Hinzu kommen Aufwände für Aufarbeitung und Prüfung der IT.

Illustrative Größenordnung, kein Verfahrensergebnis.

Warnsignale

  • Dringlichkeit in Verbindung mit der Bitte um Vertraulichkeit
  • Rückfragen sollen ausschließlich über die in der Nachricht genannte Nummer erfolgen
  • Anweisung außerhalb des üblichen Freigabewegs
  • Zeitpunkt kurz vor Wochenende oder Feiertag
  • Erstmaliger Empfänger, Konto im Ausland

Was Betroffene jetzt tun können

  1. 1Zahlung sofort stoppen lassen; am Wochenende über die Notfallnummer der Bank
  2. 2Empfängerbank informieren und Rückruf dokumentieren
  3. 3Postfachzugriffe und Weiterleitungsregeln prüfen
  4. 4Strafanzeige erstatten, um Auskünfte über Kontoinhaber zu ermöglichen
  5. 5Vier-Augen-Prinzip ohne Dringlichkeitsausnahme verbindlich festschreiben
Szenario 04PhishingPrivatpersonenFrei erfundenes Szenario

Der Anruf nach der Sicherheitsmail

Ausgangssituation

Eine Privatperson erhält eine sprachlich einwandfreie E-Mail ihrer Bank: Eine Zahlung sei blockiert worden, ein Mitarbeiter werde sich melden. Kurz darauf ruft eine Person an, die Name und letzte Kontobewegungen kennt.

Zur „Absicherung“ soll eine Freigabe in der Banking-App erteilt werden. Der angezeigte Freigabetext lautet auf die Registrierung eines neuen Geräts, nicht auf eine Sperrung.

Nach der Freigabe werden innerhalb weniger Minuten mehrere Überweisungen ausgeführt.

Möglicher Schaden

5.000 – 40.000 €

Maßgeblich sind die hinterlegten Überweisungslimits. Häufig werden zusätzlich Kreditlinien oder Tagesgeldkonten einbezogen.

Illustrative Größenordnung, kein Verfahrensergebnis.

Warnsignale

  • Angekündigter Rückruf – seriöse Institute kündigen keine Legitimationsanrufe an
  • Der Freigabetext in der App passt nicht zum geschilderten Anlass
  • Kenntnis von Kontobewegungen wird als Echtheitsnachweis dargestellt
  • Zeitdruck während des Telefonats

Was Betroffene jetzt tun können

  1. 1Bank über die offizielle Sperrnummer informieren und Zugänge sperren
  2. 2Passwörter von einem anderen Gerät aus ändern
  3. 3Nachricht, Rufnummer und Freigabemeldungen dokumentieren
  4. 4Prüfen lassen, ob eine autorisierte oder nicht autorisierte Zahlung vorliegt
  5. 5Erstattungsansprüche gegenüber dem Zahlungsdienstleister prüfen
Szenario 05Romance ScamPrivatpersonenFrei erfundenes Szenario

Die Beziehung, die in ein Investment führt

Ausgangssituation

Über ein Datingportal entsteht ein Kontakt, der über drei Monate täglich geführt wird. Ein Treffen wird zweimal vereinbart und scheitert kurzfristig – zunächst am Visum, dann an einer Erkrankung.

Es folgt eine erste Bitte um 800 Euro für eine Behandlung, die kurz darauf zurückgezahlt wird. Wenig später wird ein gemeinsames Krypto-Investment vorgeschlagen, in das die Kontaktperson angeblich selbst investiert.

Über sechs Wochen werden 26.000 Euro in Kryptowährungen überwiesen. Danach bricht der Kontakt ab.

Möglicher Schaden

10.000 – 80.000 €

Die Beträge steigen mit der Dauer des Kontakts. Häufig werden Ersparnisse aufgelöst oder Kredite aufgenommen, was den Schaden über die Zahlungen hinaus verlängert.

Illustrative Größenordnung, kein Verfahrensergebnis.

Warnsignale

  • Treffen scheitern wiederholt kurzfristig mit wechselnden Begründungen
  • Profilbilder tauchen bei einer umgekehrten Bildersuche unter anderen Namen auf
  • Die erste Rückzahlung dient dem Vertrauensaufbau
  • Der Wechsel zum Investment erfolgt auf Empfehlung der Kontaktperson
  • Zahlungen ausschließlich in Kryptowährungen

Was Betroffene jetzt tun können

  1. 1Keine weiteren Zahlungen leisten; Kontakt beenden, aber nichts löschen
  2. 2Transaktions-IDs, Wallet-Adressen, Profile und Chats vollständig sichern
  3. 3Prüfen lassen, ob die Mittel einen identifizierenden Handelsplatz erreicht haben
  4. 4Strafanzeige erstatten – oft liegen Anzeigen weiterer Betroffener vor
  5. 5Bei aufgenommenen Krediten die weitere Belastung rechtlich prüfen lassen

Einordnung

Was diese Szenarien zeigen – und was nicht

Allen Abläufen ist gemeinsam, dass sie nicht an einem technischen Fehler scheitern, sondern an einer Erwartung: dass eine bekannte Absenderadresse echt ist, dass eine Weisung von oben nicht hinterfragt wird, dass Zuwendung nicht kalkuliert sein kann. Deshalb wirken Prüfschritte, die unabhängig von der Nachricht selbst funktionieren – ein Rückruf über eine hinterlegte Nummer, eine Registerabfrage bei der Behörde, eine Teilauszahlung zur Probe.

Was die Szenarien nicht zeigen, ist ein Verfahrensausgang. Ob Mittel gesichert oder zurückgeführt werden können, hängt von Zahlungsweg, Zeitablauf und den beteiligten Instituten ab. Eine Prüfung kann erforderlich sein, um Fristen zu wahren; eine Zusage über das Ergebnis ist damit nicht verbunden.

  • Prüfschritte wirken nur, wenn sie unabhängig von der Nachricht selbst funktionieren.
  • Der Zeitverlust bis zur Entdeckung ist in allen Szenarien der entscheidende Nachteil.
  • Beweise sichern kommt vor rechtlicher Bewertung – nicht danach.

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