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Fachbereich · CEO Fraud

Eine Weisung „von ganz oben“, vertraulich und eilig – und niemand aus der Geschäftsführung hat sie geschrieben.

CEO Fraud nutzt nicht Technik, sondern Hierarchie. Eine Nachricht im Namen der Geschäftsführung kündigt eine vertrauliche Transaktion an, bittet um Diskretion gegenüber Kolleginnen und Kollegen und drängt auf eine sofortige Zahlung. Wer sie ausführt, hält sich für loyal. Bemerkt wird der Vorgang häufig erst beim nächsten regulären Kontakt – oft Tage später.

  • Erstkontakt

    innerhalb von 24 Stunden

  • Hebel

    Autorität, Zeitdruck und Vertraulichkeit

  • Rückholung

    je nach Zahlungsweg fristgebunden

  • Aufarbeitung

    Prozess prüfen, nicht Personen vorverurteilen

Soforthilfe

Was sofort zu veranlassen ist

Die ersten Stunden entscheiden über die Rückholung, die ersten Tage über die Qualität der Aufarbeitung. Beides sollte parallel und geordnet ablaufen.

  1. Zahlung telefonisch zurückrufen lassen

    Wenden Sie sich unverzüglich telefonisch an Ihre Bank und verlangen Sie ausdrücklich den Rückruf der Überweisung sowie die Einschaltung der Empfängerbank. Lassen Sie Datum und Uhrzeit der Meldung schriftlich bestätigen. Für Rückholverfahren gelten Fristen, die kurz sein können und sofort zu erfragen sind.

  2. Alle offenen und terminierten Aufträge anhalten

    Stoppen Sie weitere Zahlungen an dieselbe Verbindung und prüfen Sie, ob in denselben Tagen weitere Anweisungen eingegangen sind. In vielen Fällen bleibt es nicht bei einer Überweisung; die zweite folgt, während die erste noch geprüft wird.

  3. Die Weisung über einen unabhängigen Kanal verifizieren

    Rufen Sie die angeblich anweisende Person unter einer intern hinterlegten Nummer an – nicht unter der Nummer aus der Nachricht und nicht per Antwort auf die E-Mail. Nutzen Sie dafür eine Verbindung, die nicht über das möglicherweise kompromittierte Postfach läuft.

  4. Nachricht und Freigabespuren vollständig sichern

    Sichern Sie die Nachricht mit vollständigen Kopfzeilen, etwaige Sprachnachrichten, die Verbindungsdaten des Anrufs, den Zahlungsbeleg mit Referenz und die Protokolle des Freigabeprozesses. Löschen Sie nichts und geben Sie keine Endgeräte zur Neuinstallation, bevor sie gesichert sind.

  5. Systeme auf Mitlesen prüfen

    Lassen Sie Anmeldungen, Weiterleitungsregeln und Berechtigungen in den betroffenen Postfächern kontrollieren. Ist ein Zugriff erfolgt, wird auch die interne Abstimmung über die Reaktion mitgelesen; die Aufarbeitung sollte dann zunächst außerhalb der betroffenen Systeme organisiert werden.

  6. Anzeige erstatten und die interne Kommunikation ordnen

    Erstatten Sie Anzeige und legen Sie zugleich fest, wer intern informiert wird, wer mit Behörden und Bank spricht und wie mit den beteiligten Mitarbeitenden umgegangen wird. Schuldzuweisungen in dieser Phase erschweren die Aufklärung, weil sie die Bereitschaft zur vollständigen Schilderung senken.

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Überblick

Warum diese Nachrichten funktionieren

Der Angriff beginnt mit Recherche. Aus Handelsregister, Website, Fachpresse und beruflichen Netzwerken lassen sich Vorstände, Prokuristen, Zeichnungsbefugnisse und die Namen in der Buchhaltung zusammentragen. Häufig kommt Wissen aus einem mitgelesenen Postfach hinzu: laufende Projekte, interne Anreden, der Umstand, dass die Geschäftsführung gerade auf Reisen ist. Die Nachricht, die dann eintrifft, passt in einen realen Kontext.

Inhaltlich folgt sie einem festen Aufbau: eine vertrauliche Angelegenheit – eine Beteiligung, eine Abfindung, ein Anwalts- oder Notaranderkonto –, die Bitte, ausnahmsweise vom üblichen Freigabeweg abzuweichen, und ein enger Zeitrahmen. Rückfragen werden im Voraus entwertet, indem Diskretion gegenüber allen anderen erbeten wird. Zunehmend werden Nachrichten durch einen Anruf oder eine Sprachnachricht gestützt, deren Stimme der bekannten ähnelt.

Die Zahlung geht typischerweise an ein Konto in einem anderen Land, oft im Namen einer Kanzlei oder einer Beteiligungsgesellschaft, und wird binnen kurzer Zeit weiterverteilt. Für das Unternehmen entstehen daraus drei Themen zugleich: die Rückholung, die Frage nach der Sicherheit der eigenen Systeme und die interne Aufarbeitung – die häufig unter erheblichem Druck auf einzelne Mitarbeitende geführt wird und deshalb sorgfältig geordnet werden sollte.

Erkennen

Woran eine gefälschte Weisung erkennbar ist

Die Merkmale sind auffällig konstant. Wer sie einmal benannt hat, erkennt den Aufbau auch dann, wenn die Nachricht sprachlich einwandfrei ist.

  • Die Nachricht verlangt Vertraulichkeit gegenüber Kolleginnen, Kollegen oder Vorgesetzten und begründet das mit einer laufenden Transaktion.
  • Der übliche Freigabeweg soll ausnahmsweise übersprungen werden, weil es angeblich eilt.
  • Die Antwortadresse weicht von der bekannten ab oder ist auf eine externe Adresse umgeleitet.
  • Die Zahlung soll an ein Konto in einem Land gehen, zu dem das Unternehmen keine Geschäftsbeziehung unterhält.
  • Der angebliche Absender ist gerade nachweislich nicht erreichbar – auf Reisen, in einem Termin, im Ausland.
  • Ein Anruf oder eine Sprachnachricht bestätigt die Anweisung, weicht Rückfragen aber aus und drängt auf Ausführung.
  • Nach der ersten Zahlung folgt kurzfristig eine zweite, höhere Anweisung mit derselben Begründung.

Mögliche Maßnahmen

Mögliche Maßnahmen

Wir trennen die Rückholung, die technische Aufklärung und die haftungsrechtliche Aufarbeitung, weil sie unterschiedliche Fristen und unterschiedliche Adressaten haben.

  • Begleitung der Rückholung

    Wir formulieren die Anfragen an die beteiligten Institute, wahren die Fristen und dokumentieren den Ablauf für die spätere Verwendung. Ein Auskunftsanspruch gegenüber dem Zahlungsdienstleister kann in Betracht kommen, um den Empfänger zu identifizieren.

  • Strukturierte Sachverhaltsaufnahme im Unternehmen

    Wir nehmen den Ablauf mit den Beteiligten auf, ohne die Situation zu einem Disziplinarverfahren zu machen. Ziel ist eine belastbare Chronologie, die gegenüber Bank, Versicherer und Behörden verwendbar ist.

  • Prüfung der Verantwortlichkeit im Innenverhältnis

    Ob eine Pflichtverletzung von Mitarbeitenden oder Organen vorliegt, hängt von den bestehenden Vorgaben, ihrer Kommunikation und dem konkreten Ablauf ab. Eine vorschnelle Festlegung schadet regelmäßig – auch weil sie Deckungsfragen gegenüber Versicherern präjudizieren kann.

  • Meldung an Versicherer und Aufsicht

    Vertrauensschadens- und Cyber-Deckungen sehen kurze Anzeigefristen vor. Sind personenbezogene Daten oder aufsichtsrechtliche Pflichten berührt, kommt zusätzlich eine Meldung in Betracht. Wir prüfen beides und übernehmen die Korrespondenz.

  • Strafanzeige und Abstimmung mit den Ermittlungen

    Wir bereiten den Zahlungsweg für die Ermittlungsbehörden auf. Da dieselben Strukturen mehrere Unternehmen ansprechen, kann eine Anknüpfung an laufende Verfahren möglich sein; ein Ergebnis folgt daraus nicht zwingend.

  • Nachschärfung der Freigabeprozesse

    Sinnvoll ist häufig eine schriftliche Regel, die Ausnahmen vom Freigabeweg ausdrücklich ausschließt, eine Rückrufpflicht über hinterlegte Nummern und eine Betragsgrenze mit Vier-Augen-Prinzip. Wir formulieren solche Vorgaben auf Wunsch aus.

Aussichten

Was sich realistisch erreichen lässt

Ob die Zahlung ganz oder teilweise zurückgeführt werden kann, hängt davon ab, wohin sie geflossen ist und wer sie in diesem Moment hält. Wird der Vorgang am selben Tag bemerkt, ist gelegentlich noch ein Teilbetrag greifbar; nach Weiterleitung über mehrere Konten und Staaten ist das selten. Ein Ergebnis können wir nicht zusagen, und die Rückholung ist der Teil des Falls, der sich am schnellsten schließt.

Länger offen bleiben die anderen Ebenen: die Auseinandersetzung mit dem Versicherer, mögliche Ansprüche gegen Dienstleister, deren Pflichten verletzt wurden, und die Frage der Verantwortlichkeit im Innenverhältnis. Diese Themen entscheiden über den wirtschaftlichen Ausgang häufig stärker als der Rückruf, verlangen aber eine sorgfältige Dokumentation, die in den ersten Tagen angelegt werden muss.

Aus unserer Sicht ist der schwerwiegendste vermeidbare Fehler nach einem solchen Vorfall nicht die Zahlung selbst, sondern eine hastige interne Festlegung auf eine Schuldfrage, bevor der Ablauf geklärt ist. Die gemeinsamen Grundlagen zu Beweissicherung, Zahlungsverfolgung und Verfahrenswegen sind im Fachbereich Betrug & Scam dargestellt.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zu CEO Fraud

Die Antworten beschreiben typische Konstellationen im Unternehmen. Was in Ihrem Fall gilt, hängt von den internen Vorgaben, vom Ablauf und vom technischen Befund ab.

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